Kauz (Strix nebulosa)

Der Bartkauz (Strix nebulosa) ist eine Vogelart aus der Gattung Strix innerhalb der Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae). Er kommt in zwei Unterarten in der borealen Zone der Holarktis vor. Sein deutscher Name leitet sich von einer schwarzen Gefiederregion unter dem Schnabel ab, die wie ein kleiner Bart aussieht. In vielen anderen europäischen Sprachen wird der Bartkauz nach seinem europäischen Verbreitungsgebiet Lapplandeule genannt. Sein englischer Name ist Great Grey Owl, also Große Graueule. Er ist die größte Art der Gattung Strix und die einzige mit holarktischem Verbreitungsgebiet. Auch innerhalb der Familie Strigidae gehört der Bartkauz zu den größten, nicht aber zu den schwersten Arten.

Bartkäuze werden bis zu 67 Zentimeter lang und bis zu 1900 Gramm schwer, erreichen also trotz vergleichbarer Größe nur etwa die Hälfte des Gewichtes eines Uhus (Bubo bubo), das bei großen, schweren Weibchen über 4000 Gramm betragen kann.[ Der reverse Geschlechtsdimorphismus ist bei dieser Art vor allem in Bezug auf das Gewicht recht deutlich; Männchen sind im Durchschnitt um 300 Gramm leichter, aber weniger als 3 Zentimeter kleiner als Weibchen. In Finnland betrug das Durchschnittsgewicht männlicher Bartkäuze bei einer Länge von 64,6 Zentimetern 884 Gramm, Weibchen wogen jedoch 1186 Gramm bei einer Größe von 67 Zentimetern. Individuen der nearktischen Nominatform scheinen geringfügig größer und schwerer zu sein als paläarktische Bartkäuze, doch sind die bisher zur Verfügung stehenden Daten nicht repräsentativ.

Lateinischer Name:Strix nebulosa
Vorkommen:Der Bartkauz ist ein Bewohner des borealen Nadelwaldgürtels der gesamten Holarktis. Er ist ein Charaktervogel der mittelborealen Zone; sowohl nördlich als südlich davon nimmt die Siedlungsdichte stark ab. Die Nordgrenze seiner Verbreitung liegt im Übergangsbereich des hochstämmigen borealen Nadelwaldes zur Waldtundra. In der Paläarktis liegt diese etwas nördlich des Polarkreises, in der Nearktis wird dieser nur in Nordalaska überschritten; nach Osten hin verläuft diese Vegetationsgrenze südostwärts etwa bis zur Südküste der Hudson-Bay. Die paläarktischen Vorkommen erstrecken sich von Mittelschweden und Finnland in einem unterschiedlich breiten Gürtel bis ins Einzugsgebiet des Anadyr und südostwärts nach Sachalin. Die Südgrenze ist uneinheitlich, da die Art auch in boreale Gebirgswälder der zentralasiatischen Gebirge vordringt. In Europa liegt die südliche Verbreitungsgrenze im nördlichen Baltikum. Isolierte und wahrscheinlich nur temporäre Vorkommen bestehen im polnisch-weißrussischen Grenzgebiet, in Weißrussland sowie in der nördlichen Ukraine. In der Nearktis liegt der Verbreitungsschwerpunkt ebenfalls im mittelborealen Gürtel. Die Brutgebiete reichen von Zentralalaska südostwärts bis nach Zentralontario, möglicherweise bis ins südöstliche Québec. Im Westen dringt die Art in den Rocky Mountains weit nach Süden vor und erreicht in den Cascade Mountains sowie in der Sierra Nevada Nordkalifornien sowie Nevada. Zur vertikalen Verbreitung der paläarktischen Populationen liegen keine Angaben vor. In Nordamerika liegen die höchsten Nachweise in 2800 Metern Höhe. In Deutschland kommt der Bartkauz natürlicherweise nicht vor. Das einzige auf ehemals deutschem Terrain sicher nachgewiesene Exemplar wurde am 10. März 1832 in Ostpreußen geschossen, präpariert und nach Berlin in das Museum für Naturkunde verbracht, wo es sich heute noch befindet.
Nahrung:Der Waldkauz schlägt Säuger bis zur Größe von Eichhörnchen. Trotz seiner Größe ernährt sich der Bartkauz fast ausschließlich von kleinen Säugetieren. Die Jagd erfolgt meist im nahezu lautlosen Suchflug entlang von Waldrändern oder Wegen sowie waldnahen Wiesen und Feldern. Vernimmt er die leisen Pfiffe der Mäuse, reagiert er darauf meist mit einem abrupten Richtungswechsel und fliegt in Richtung der Lautquelle.
Paarungszeit:Bartkäuze werden gegen Ende des ersten Lebensjahres geschlechtsreif, es ist jedoch unbekannt, wie hoch der Prozentsatz einjähriger Brutvögel ist. Ausschlaggebend für die Eiablage und den Brutbeginn ist ein ausreichendes Angebot an Kleinsäugern, vor allem an Wühlmäusen. Die Art führt eine monogame Saisonpartnerschaft. Polygynie wurde gelegentlich festgestellt. Bartkäuze brüten nur einmal im Jahr, Nachgelege bei Gelegeverlust dürften vorkommen, beziehungsweise in guten Mäusejahren zur Regel gehören.
Abwurfzeit:Die ersten Gelege werden im gesamten Verbreitungsgebiet Anfang April gefunden, meist beginnt das Weibchen erst Mitte April mit der Eiablage. Ein Vollgelege besteht aus 4–5 (3–6) anfangs rein weißen Eiern mit durchschnittlichen Maßen von 53,2×42,4 Millimetern. Sie wiegen mit 50 Gramm etwa soviel wie ein kleines Hühnerei. Die Eier der nearktischen Nominatform sind durchschnittlich etwas größer und schwerer. Der Legeabstand beträgt 1–3 Tage. Da das Weibchen ab dem ersten Ei fest brütet, schlüpfen die Jungen in zum Teil mehrtägigen Abständen.

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